ANGEDACHT

Ewigkeit

Letztens stand ich wieder einmal vor dem Kassenbereich meines Lieblingsdiscounters und hatte die Qual der Wahl: An welcher Schlange sollte ich mich anstellen, um möglichst schnell durchzukommen? Wie fast immer entschied ich mich für die Schlange, bei der es gefühlt am längsten dauerte, bis ich meine Sachen aufs Band legen konnte. Und wie so oft wurde meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Äußerlich die Ruhe selbst, innerlich stöhnte ich jedoch: „Das dauert ja ewig!“

Vieles in unserem Leben scheint sich in der Dimension der Ewigkeit abzuspielen: das Warten an der Kasse, die vermeintliche Jugend oder die vergangene Begegnung mit einem guten Freund. Alles scheint mehr oder weniger ewig zu sein. Oder man wünscht es sich zumindest im Einzelfall. Dabei können wir mit unserem begrenzten Horizont kaum ermessen, was „Ewigkeit” wirklich bedeutet. Ein schwacher Versuch, die Ewigkeit – oder auch Unendlichkeit – bildlich darzustellen, ist ein gewundenes Band, das wie eine liegende Acht aussieht. Wenn man der Form des Bandes folgt, hat es scheinbar keinen Anfang und auch kein Ende. Erst wenn man keine Lust mehr hat oder erschöpft ist vom ewigen Verfolgen der Linie, erreicht man tatsächlich das Ende. Aber nur für den Moment und subjektiv von uns wahrgenommen, denn die Tatsache der Unendlichkeit bleibt bestehen.

So ist es auch in unserem Leben. Wenn unser irdisches Leben endet, meinen wir, mit dem endlichen Lauf des Lebens fertig zu sein. Dabei sprechen wir das Wort „endlich“ tatsächlich selten aus. Doch stimmt das? Sind wir Menschen in einem unendlichen Zeitraum tatsächlich nur endlich? Sind wir nur ein kleiner Punkt, der kurz aufblitzt auf einer nicht enden wollenden Zeitachse? Von nichts anderem geht die moderne Wissenschaft aus. Ich möchte mir das in letzter Konsequenz nicht vorstellen. Das würde doch bedeuten, dass ich unbedeutend und bei genauerer Betrachtung nicht der Rede wert wäre. Tatsächlich spricht die Bibel in dieser Weise auch vom Menschen: „Der Mensch ist so vergänglich wie frisch emporgewachsenes Gras, das am Morgen sprießt und blüht und am Abend welkt und verdorrt.“ Ist der Mensch, ist mein Leben nur ein Hauch, ein Nichts?

Diese Sichtweise der Bibel fühlt sich für mich zunächst nicht gut an. Doch dann lese ich, dass Gott sogar alle Haare auf meinem Kopf gezählt hat. Offensichtlich bin ich dann doch kein so kurzes und unbemerktes Licht, dass es Gott nicht wichtig wäre, so etwas Banales wie die Anzahl meiner Haare festzustellen. Die Bibel spricht sogar davon, dass Jesus Christus den Tod entmachtet und mir damit ein unvergängliches Leben gebracht hat. So steht es im Evangelium. Obwohl ich nur ein kleines Sandkorn im großen Ganzen bin, bin ich es Gott wert, dass er mich nicht der Endlichkeit preisgibt, sondern mich durch Jesus Christus zu einem unvergänglichen Leben führt? Wow! Welche Perspektive eröffnet sich mir damit, wenn ich ihm folge? Gott ruft mich heraus aus einem unbedeutsamen, vergänglichen Leben und schenkt mir einen Wert, der mir ein ewiges Leben ermöglicht. Wie kann das sein?

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